Angst vor Tourismusflaute in Wadiya

Dienstag, 22. Mai 2012, 05:00 Uhr

Die Urlaubplanungen der Deutschen laufen auch Hochtouren. Die beliebtesten Urlaubsziele sind – neben dem Inland – Spanien, Ägypten, Italien und Österreich. Vom Massentourismus verschont und noch nahezu unbekannt ist Wadiya, die Heimat des Diktators Admiral General Aladeen. Doch dem Urlaubsparadies droht Ungemach: Kurz vor der Internationalen Tourismusbörse in Berlin im März forderte der CDU-Politiker Klaus Brähmig die Kennzeichnung von Diktaturen in Reisekatalogen. In Ländern, wo Menschenrechte missachtet und Kinder ausgebeutet werden, solle kein Urlaub mehr gemacht werden.

Admiral General Aladeen, der Diktator der Republik Wadiya, kann darüber angesichts der bevorstehenden Hauptreisezeit nur fluchen: „Diese bodenlose, an Unverschämtheit nicht zu überbietende Dreistigkeit verzerrt die objektive und faire Wahrnehmung meines Landes auf der Welt“. Gerade westliche Länder würden zwei Dinge vergessen: erst die liebevolle Unterdrückung durch einen geliebten Diktator mache ein Urlaubsland zum Erlebnis. Außerdem bräuchten wadiyanische Kinder auch ihren Urlaub: „Nichts ist für die Kinder des Landes Wadiya erholsamer, als ihrem obersten Herrscher zu dienen.“

In großer Besorgnis um den hart erarbeiteten Ruf seiner Person sowie seines Landes ließ der Despot daraufhin einen Demokratievergleich zwischen seinem Reich und einigen ausgewählten Ländern erstellen. Seht selbst:

 

Aladeen betont, dass die Studie den Stempel BART (bewiesen, attestiert, richtig, toll) des wadiyanischen Ministerium für Fairness und Objektivität unter Aufsicht eines Palastkomitees erhalten habe. Mit Stolz verkündet Alleinherrscher Aladeen, dass die Republik mit einem Demokratieindex von 11 von 10 Punkten auf dem ersten Platz steht. Das Ministerium wertete mit 10 Punkten, da in Wadiya ohnehin keine Demokratie nötig sei, weil der Herrscher die diversen Meinungen im Volke stets optimal vertrete und zu seiner eigenen bündele. Zusätzlich kamen sie nicht umhin, einen Extrapunkt für die unendliche Güte des lupenreinen Demokraten General Admiral Aladeen zu vergeben.

Gleichheit: 1:0 für Aladeen
Nicht ohne Stolz verweist der Diktator darauf, dass Wadiya in Sachen Frauenquote ein Vorreiter ist: Er habe mehr Frauen in seinem Palast als Deutschland im Bundestag. Ein Fingerzeig in Richtung des überheblichen Westens, der sich stets mit Gleichberechtigung schmücke. Beim GINI-Index (eine Darstellung zur Ungleichverteilung, wobei 0 maximale Gleichverteilung und 1 die maximale Ungleichverteilung darstellt) schneidet Wadiya mit einer 1 auch ganz passabel ab. Alle Reichtümer des Landes seien in seinem Eigentum. Das gewährleiste eine optimale, schnelle und unbürokratische Verteilung, so der Diktator.

Daher sei die politische Lage in seiner Heimat auch so ungewöhnlich stabil. “Das beste Zeugnis für einen Diktator ist jedoch, wenn das Volk gar kein Interesse daran hat, den Herrscher zu stürzen”, so Aladeen. Seine Triumph habe aber auch Schattenseiten, wie er unumwunden zugibt: “Seit Muammer nicht mehr zum sonntäglichen Spiel kommt, fehlt mir ein schlagkräftiger Doppelpartner gegen Baschar und Husni.”

DER DIKTATOR beim Tennis

Bild: Paramount Pictures

Das wunderschöne Urlaubsziel Wadiya
Die Muster-Demokratie bietet Touristen zahlreiche Highlights. Die Anreise erfolgt über eines der regelmäßig entführten Flugzeuge. Die beste Zeit für einen Urlaub in Wadiya ist Mitte April, da dann die Olympischen Spiele stattfinden, bei denen sich alle Sportler in einem fairen Wettkampf alljährlich ihre Unterlegenheit gegenüber dem Seriensieger Aladeen eingestehen müssen. Weitere Attraktionen sind der Staatszoo mit einigen seltenen Tieren hinter Gittern wie dem Funktionaris Amnesty Internationalis. Das Museum der Wissenschaften ist immer ein Besuch wert. Touristen bekommen ein Video über Aladeens Erfindung der Zeitmaschine zu sehen, mit der er in die Vergangenheit reiste und die Glühbirne neu erfand. Besucht auch unbedingt das Nationale Parlament, der Heimatstätte von Wahlfreiheit und transparentem Regierungswesen mit Weltruf. Aladeen hält dort wöchentlich höchstpersönliche Vorträge zum Thema „effiziente Führung von Massen“. Soviel vorab: Er verrät sein Geheimnis, weshalb seit seiner Machtergreifung zeitraubende politische Diskussionen und Entscheidungen sehr knapp gehalten werden können.

Also lasst euch von der künftigen Kennzeichnung in Reisekatalogen nicht abschrecken und bucht einen Urlaub im schönen Wadiya. Übrigens: Wenn Ihr bis zwei Wochen nach Kinostart von DER DIKTATOR eure Reise bucht, habt Ihr die Chance auf 100.000 US-Dollar – die winken jedem Besucher, dem es gelingt, im interaktiven Labor des Museums der Wissenschaft von Wadiya Uranium anzureichern.